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Das war Ruanda

Die Zeit in Ruanda ist vorbei! Nach zuletzt sehr intensiven Tagen und Momenten mit unseren Freunden vor Ort, kehren wir dem L'appel Trubel nun seit einigen Tagen den Ruecken, um die Eindruecke zu verarbeiten, Gedanken zu ordnen, zu resumieren, weiterzudenken...

Die Woche in Kiruhura war wieder einmal atemberaubend. Fuer Daniel, der das Dorf zum ersten Mal erleben durfte, war es Zitat: "geil!".

Geil, weil einem die authentische Freude der Kinder, die in absoluter Armut leben, foermlich entgegenschwappt.

Geil, weil die Menschen im Dorf immer wieder ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Sei es ein schlichtes "Murakoze cyane" (Vielen Dank), oder ein spontaner Freudentanz, was wir vorhaben wird wahrgenommen und wird weiterhelfen. Dessen sind wir uns sicher.

Geil, weil die insgesamt zweite Kleideraktion in dieser Zeit ein voller Erfolg war. Zum ersten Mal war am Ende der Aktion niemand mehr ohne ein neues Kleidungsstueck.

Geil, weil die Dreharbeiten zu unserem Film soviel gutes Material hervorgebracht haben. 

Deshalb wird auch nicht mehr verraten. Der Film wird voraussichtlich im Januar 2013 erscheinen. Wir werden ihn fruehzeitig ankuendigen und sind jetzt schon stolz auf alles, was wir in so kurzer Zeit erreichen konnten.

Murabeho,

 

Euer L'appel Team

28.8.12 19:18, kommentieren

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L'appel - Klappe die 4.

Montag, 06.08.

Am Vormittag besuchten wir die ruandische Hilfsorganisation „Solace Ministries“ und hatten ein sehr bewegendes und aufschlussreiches Gespräch über den Genozid und seine Folgen für die junge Generation und Witwen. Bemerkenswert an dieser Organisation ist, dass sie sich auch auf die psychotherapeutische Behandlung von seelischen Traumata durch die kriegerischen Handlungen konzentriert.

Teil dieser Organisation ist außerdem eine Krankenstation in Kabuga, die sich auf AIDS Prävention und HIV Behandlung spezialisiert hat.

Mittags waren wir im Head Office der E.P.R., wo uns der Bauingenieur Uzziel stolz seine überarbeitete Version der Baupläne präsentierte. Diese „überarbeitete“ Version entpuppte sich allerdings als komplett neuer Bauplan. Zu unserer Enttäuschung mussten wir erfahren, dass es vom Gesundheitsministerium Pläne gibt, die sogar als Gesetz formuliert, beim Bau einer neuen Krankenstation eingehalten werden müssen.

Uns zeigt das, dass innerhalb der Kommunikation mit unseren Partnern hier vor Ort noch Optimierungsbedarf besteht, wenn man bedenkt, dass eine beiläufige Erwähnung solch zentraler Informationen, die monatelange Arbeit an unseren Bauplänen erst einmal zu Nichte macht.

Trotzdem werden diese Pläne flexibel für unsere Ideen bleiben. Innerhalb des Verwaltungsapparates von Ministerium und District-Verwaltung ist man sich bewusst, dass wir mit unserem Vorhaben ausschließlich Verbesserung für die  Gesundheitsversorgung der Bevölkerung bringen. Solche Steine, die man uns erst einmal in den Weg legt, sind daher leicht wieder zu entfernen, bedeuten aber trotz alle dem einen Mehraufwand.

Daraufhin beschlossen wir, über Pascal einen Termin beim Gesundheitsministerium zu machen, um nun von oberster Stelle den Planungsstand absegnen zu lassen und weiteren unnötigen Planungsaufwand zu umgehen.

Weitere Programmpunkte des Treffens waren die vertragliche Klärung der Übernahme laufender Kosten der Krankenstation, wie Löhne und Instandhaltung. Diese werden laut Vertrag zu 80% vom Ministerium und zu 20% von der Presbyterianischen Kirche übernommen.

Außerdem sprachen wir über die aktuellen Kostenpläne jener Bildungsstätten, die mit uns derzeit 6 Studierende in Ruanda mit dem „Umgekehrten Generationenvertrag“ ausstatten.

Einer der wichtigsten Punkte war die Bildung der Partnerorganisation in Ruanda. Als Ergebnis gibt es hierbei festzuhalten, dass Pascal, Emmanuel und Gilbert fortan die hauptverantwortlichen Koordinatoren sein werden. Pascal und Emmanuel übernehmen die direkte Kommunikation zwischen E.P.R. und L’appel Deutschland. Gilbert wird zudem regelmäßig über aktuelle Entwicklungen bzgl. des Baugeschehens reporten.

 

 

Dienstag, 07.08.

Wir besuchten ein weiteres Projekt von „Solace Ministries“ und wohnten einem Workshop zur Seifenherstellung bei. Diese Organisation bietet verschiedene Kurse an, wie z.B. Nähen, die Herstellung von traditionellem Kunsthandwerk, Agrarwirtschaft etc., die den Witwen innerhalb des Programms die Möglichkeit bieten, ihr Einkommen und somit ihre Lebensumstände eigenhändig zu verbessern.

Während dieses Workshops wurde Jules von einer Biene attackiert und lieferte sich einen höchst eindrucksvollen Zweikampf mit dem Insekt.

Am Nachmittag besuchten die beiden „Ruanda-Neulinge“ Hanna und Tabea, die Genozid Gedenkstätte. Beide waren betroffen von der beeindruckenden Aufarbeitung dieses grausamen Kapitels in der Geschichte des Landes.

Trotz dieser intensiven Konfrontation mit dieser brutalen Vergangenheit ist es umso bemerkenswerter, wie friedlich und aufgeklärt das Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft nach so kurzer Zeit schon wieder ist.

Den Abend verbrachten wir auf einem Freundschaftsspiel der Junioren-Basketball-Nationalmannschaft Ruandas. Unser guter Freund Albert, Co-Trainer der Mannschaft hatte uns hierzu eingeladen und verbrachte nach einem furiosen 74:49 Sieg den Abend bei Brochette und einem gemütlichen Bier mit uns.

 

Mittwoch, 08.08.

Es regnet! Der Tag begann mit heftigen Monsunregen und –gewittern. Nach dem Frühstück machten sich Christoph und Jules auf den Weg zum Flughafen, um Daniel abzuholen – unser neues Teammitglied.

Daniel ist ein guter Freund aus Köln und hat eine äußerst begabte Hand an der Kamera. Er wird während unserer gemeinsamen Zeit eine Dokumentation und einen Imagefilm für L’appel Deutschland drehen. Er begleitet uns nun bei all unseren Vorhaben auf Schritt und Tritt.

Nach einer kurzen Stärkung in unserem einheimischen Stammrestaurant, besprachen wir bei einem frisch aufgebrühten ruandischen Kaffee Inhalte und Struktur der geplanten Dokumentation und erstellten ein erstes grobes Drehbuch.

Erschöpft von diesem kreativen Austausch, trafen wir uns am Abend zu einem geselligen Beisammensein mit unseren ruandischen Freunden Dan und Jean-Paul, um Tabea gebührend zu verabschieden, die in der Nacht nach Hause fliegen würde.

Tabse ist der geilste Club der Weeelt! J

 

Donnerstag, 09.08.

Trotz der derzeitigen Trockenzeit regnete es wieder wie aus Eimern. Wir nutzten den Tag, um unser Filmvorhaben weiter zu entwickeln und einige Besorgungen in der Stadt zu tätigen.

Den Rückweg legten wir zu Fuß zurück. Auf dieser einstündigen Wanderung durch die verschiedenen Bezirke der Hauptstadt Kigalis wurden wir ungläubig aber freudig von den Einheimischen begrüßt, die es kaum fassen konnten, dass Muzungus (=weiße) auch zu Fuß durch die Stadt laufen.

 

Freitag, 10.08.

Freitagmorgen hatten wir ein weiteres Treffen bei der E.P.R. Zu unserer positiven Überraschung bekamen wir Dank Pascals großen Engagements den für uns sehr wichtigen Vertrag zur Personalkostenübernahme der Krankenstation. Dies ist ein großer Erfolg für uns, da nun gewährleistet ist, dass die laufenden Kosten von der Regierung und der E.P.R. vollständig übernommen werden. Nun steht die Krankenstation auf langfristig finanziell sicherem und vor allem unabhängigem Fundament.

Nach dem Mittagessen mit Pascal in der E.P.R., verbrachten wir den Nachmittag fussball- und basketballspielend mit den Kindern in CPAJ und genossen die rasante Motofahrt in der Abendsonne Ruandas.

Den Tag über entstanden an verschieden Orten Kigalis die ersten vielversprechenden Aufnahmen für unseren Film…..

Mit unserem lieben Freund Jean-Paul haben wir seinen 26. Geburtstag gebührend gefeiert. Zur Feier des Tages gingen wir mit ihm in seinen Lieblingsclub und konnten die afrikanische Tanzkultur hautnah miterleben. 

 

Samstag, 11.08.

Samstag haben wir uns nach zweieinhalb anstrengenden Wochen einen Tag Ruhe gegönnt, um für die kommenden terminreichen Tage Kraft zu schöpfen. Den Abend ließen wir bei Livemusik im geschichtsträchtigen Hotel „Milles Collines“ (bekannt aus den Film „Hotel Ruanda&ldquo ausklingen und genossen dabei die Sternschnuppen Nacht.

 

Sonntag, 12.08.

Um vier Uhr morgens klingelte der Wecker und schmiss Daniel und Hanna aus dem Bett, um bei Sonnenaufgang die atemberaubende Savannenlandschaft und die verschiedensten Tierarten wie  Zebras, Giraffen und Antilopen zu bewundern. Mit einem Range Rover ging es über die holprigen Straßen des Akagera Nationalparks. Begleitet wurden die Beiden von der afrikanischen Frohnatur Cecile, die sie mit ihrer herzlichen und lustigen Art ihr Wissen über die Tierwelt und die Landschaft des Parks bereicherte.

Ohne Verschnaufpause ging es direkt zum Drehort, wo wir alle bis zur Dunkelheit am Set arbeiteten. Erschöpft und glücklich von dem sehr produktiven Tag, verabschiedeten wir uns bei einem gemütlichen Zusammensein von Jean-Paul. Er kann uns leider nicht wie eigentlich geplant mit nach Kiruhura begleiten, da er einen lukrativen, einmonatigen Arbeitsauftrag bekam. Andererseits freut es uns sehr, dass unser Bildungsprogramm erste Früchte trägt. Dieser Job ist für Jean-Paul nicht nur finanziell ein gewaltiger Fortschritt, sondern auch eine gute Chance, im wettbewerbsintensiven Elektriker Gewerbe Fuß zu fassen.

Nächste Woche geht es wieder nach Kiruhura! Wir können es kaum erwarten, mit dem Bau der Krankenstation zu beginnen. Wir werden selbstverständlich wieder berichten.

Nahomukanya (Bis später)

Euer L’appel Team

13.8.12 23:18, kommentieren

L'appel goes Busch- die Woche in Kiruhura

Zunaechst bitten wir um Entschuldigung fuer die Unregelmaessigkeit unserer Eintraege. Aufgrund von Unwettern und technischen Problemen ist die Internetsituation in diesem Jahr miserabel. 

Wir sind zurück in Kigali. Hinter uns liegen spannende und intensive Tage. Am Montag letzter Woche machten wir uns auf den Weg nach Kiruhura. Das Dorf im Norden Ruandas, in dem die Krankenstation entstehen wird. Uns begleiteten Pastor Pascal, Vizepräsident der EPR, Pastor Emmanuel, der bis vor zwei Monaten Pfarrer im Dorf war, Uzziel, der Baubeauftragte der EPR und unser ruandische Freund Jean Paul. Ca 2 ½ Stunden fuhren wir durch die Täler, die von Reisfeldern, Kaffeefeldern und Teeplantagen gesäumt sind. Je weiter wir in den Norden kamen, desto höher wurden die Hügel. Von der großen asphaltierten Straße ging es über holprige Sandstraßen im Slalom um die Schlaglöcher. Wir bewaffneten uns bereits mit bunten Luftballons für die Kinder. Die Kinder und Frauen am Wegesrand winkten uns zu, einige Kinder begannen den Autos laut kreischend hinterher zu rennen. „Muzungu!“, „Muzungu!“… (=weißer Mann)

Was uns danach erwartete, wird für uns immer unvergesslich bleiben: Von der Kirche rannten uns die Kinder in Scharen entgegen, umringten die Autos. Im Nu wurden unsere Hände von kleinen schwarzen Fingerchen gepackt. Die Frauen des Dorfes tanzten zu den dumpfen Rhythmen Afrikanischer Trommeln.

Da es schon dunkelte,  gingen wir zu allererst die Baupläne durch, schauten das zukünftige Bauland an und besprachen nochmals unser Vorhaben.

Jeder Schritt- innerhalb einer Traube fröhlicher und lachender Kinder. Anschließend wurden wir im Haus des Dorfpfarrers Gilbert Uwawe warmherzig empfangen. Das Essen stand dampfend auf dem Tisch, die einzige Glühbirne im Wohnraum leuchtete grell, nebenbei das ständig schrille Pfeifen der überlasteten Solaranlagenbatterie. Diese wurde 2009 durch deutsche Spenden finanziert und  im Januar 2010 von Einheimischen installiert.

 

"Rabbits for Happiness" & "Kleideraktion"

Am Dienstagmorgen besuchten wir jene Familien, die im letzten Jahr durch die Errichtung von Hasenställen eine Erhöhung der Lebensqualität erfuhren.

Das Konzept ging auf! Die Hasen leben mittlerweile in der dritten Generation. Selbstständig haben die Familien die Hasenställe zum Teil aus- oder umgebaut.

John, der Dorfälteste, bekam 2011 ebenfalls einen Hasenstall. Traurig berichtete er uns, dass seine Hasen vor einiger Zeit gestohlen worden seien. Dieses Ereignis zeigte uns wieder einmal, wie groß die Not und die Hilflosigkeit in dieser armen Region sind, wenn schlicht aus Hunger geklaut wird.

Nach Rücksprache mit dem Pastor entschieden wir uns für den Kauf von Huhn und Hahn als Substitut, die immerhin laut schreien würden, sollte jemand versuchen sie zu klauen.

Glücklich nahm er die zwei Tiere am Nachmittag entgegen.

Unseren Dorfrundgang beendeten wir in der Schule. Wenige Tage zuvor begannen hier die Ferien. Trotzdem nahm sich der Direktor der Schule Zeit und zeigte uns stolz die neue Bibliothek, die jüngst von der Caritas gestellt wurde.

Nach einer Stärkung am Mittag gingen wir dazu über, das Baugrundstück genau zu vermessen.

 

Wir brachten 3 Taschen voller Kleidung mit, die wir am Nachmittag an die ärmsten Kinder des Dorfes verteilten. Viele tragen lediglich zerrissene oder provisorische Fetzen am Körper. Jean de Dieu, die „rechte Hand“ von Pastor Gilbert, hatte zuvor eine Liste mit den Namen der bedürftigsten Kindern erstellt. Ein Beispiel für die ausgezeichnete Organisationsfähigkeit unseres neuen Ansprechpartners. Über 120 glückliche Augenpaare strahlten uns nach dieser erfolgreichen Kleideraktion an.

Danach folgte unser allabendliches Fußballspiel auf dem mit Schlaglöchern übersäten Bolzplatz hinter der Schule. Alle anderen Kinder malten mit Kreide, tanzten oder spielten Fangen mit Hanna, Tabea und Mirka.

 

Treffen mit der lokalen Regierung

Von Kinderrufen wurden wir auch am Mittwochmorgen geweckt. Zusammen mit Pastor Gilbert trafen wir den Vorsitzenden der lokalen Regierung. Er wusste bereits von unserem Vorhaben und sicherte uns Hilfe zu. Am 16./17. August können wir somit schon mit tatkräftiger Unterstützung der Einheimischen, beginnen den Baugrund zu ebnen. Für sie wurde von der Sektorverwaltung extra ein lokaler Feiertag eingerichtet, um den Tag gemeinsam produktiv nutzen zu koennen. Bisher liegt das Gelände auf mehreren unebenen Terrassen, die u.a. als Maisfelder genutzt wurden. Der Grundstein wird gelegt!

Anschließend fuhren wir nach Mulindi, um die dortige Krankenstation zu besuchen. Der Manager Jean-Marie verschwand hinter unseren DinA1-Bauplänen und berichtete anschließend selbst von Verhandlungen der letzten Monate mit den Verantwortlichen des Districts (eine Instanz über dem Sektor). Die Begehung gab einen guten Einblick in die Strukturen der Krankenstation und Jean- Marie konnte uns einige hilfreiche Informationen liefern. Auch mit seiner Unterstützung können wir in Zukunft rechnen. Zu Fuß über die Hügel und durch die Teefelder machten wir uns in der Abendsonne auf den Heimweg.

 

Am nächsten Morgen ging es mit einer Wanderung, in Begleitung von Gilbert, zur Krankenstation in Rushaki weiter. Diese katholische Einrichtung existiert schon seit über 30 Jahren und beeindruckte uns mit ihrer gut ausgestatteten und durchdachten Anlage. Wir nahmen nochmals einige gute Anregungen mit.


Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns schweren Herzens und machten uns auf den Weg Richtung Byumba, wohin uns Emmanuel zu sich und seiner Familie eingeladen hatte. Mit acht voll gepackten Motos ging es wieder durch die atemberaubende afrikanische Landschaft, zur Hauptstraße. Hier warteten wir getreu dem Motto T.I.A. -This is Africa - 2 ½ Stunden bei gefühlten 40 Grad auf einen überfüllten klapprigen Bus. Unser Gepäck wurde mit einem einzelnen spröden Seil gekonnt auf dem Dach befestigt.

 

Culture Clash und Geschichtsstunde

Bei Pastor Emmanuel angekommen, begrüßten uns stürmisch seine zwei Kinder, Samo und Pistis, die uns aus den vorigen Jahren schon kannten. Seine Frau Jane zauberte uns trotz einer harten Arbeitswoche, als Assistentin  eines lokalen Politikers, ein deliziöses ruandisches Abendessen. Geschafft von der anstrengenden und aufregenden Woche gingen nach einem geselligen Zusammensitzen ausnahmsweise früh zu Bett.

 

Nach einem kurzen Besuch auf dem sehr belebten Markt in Byumba, wo wir die einzigen „Muzungus“ waren und dem entsprechend wieder auf Schritt und Tritt ausgiebig beobachtet wurden, begaben wir uns zum vermeidlichen „good playground“ um dort mit einheischen Jugendlichen ein weiteres Mal Fußball zu spielen. Ein unglaubliches Spektakel ereignete sich zwischen vielen schwarzen nackten Füßen. Das erste Schlagloch wurde Tabea zum Verhängnis. Sie freut sich seitdem über einen glatten Durchriss des vorderen Außenbandes am rechten Fuß. Aus Solidarität beschloss Christoph es ihr gleichzutun. Auch er humpelt seit dem. Emmanuel konnte es ebenfalls nicht lassen sich einen netten kleinen Muskelfaseriss zuzuziehen. Mit dem humpelnden Trio ging es anschließend zurück zu Emmanuel. Am Abend waren wir in der Nachbarschaft bei Jean-Marie, dem Manager der Krankenstation in Mulindi, eingeladen. Wie viele Ruander war er sehr stark an den Lebensumständen in Europa interessiert. Es kam zu einem hochinteressanten kulturellen Austausch. Wieder einmal wurde klar, wie weit die vorurteilsbehafteten Vorstellungen der jeweils anderen Welt auseinander klaffen.


Wie in den letzten zwei Woche, war es uns wieder einmal nicht gegönnt auszuschlafen. Um 06:26 Uhr klingelte der Wecker und wir wurden aus unseren tiefen ruandischen Träumen gerissen.

Es war geplant um 08:15 Uhr den Bus in Richtung Kigali zu nehmen, da Tabea und Hanna einen Besuch des Memorials in angedacht hatten. Aufgrund der sich aktuell veränderten politischen Beziehung zwischen der UN und ruandischen Regierung, ergab sich jedoch zunächst eine sehr aufschlussreiche Diskussion, bezüglich des ewig schwelenden Konfliktes zwischen der  Demokratischen Republik Kongo und Ruanda.

Jüngst hat die Regierung der Bundesrepublik die Hilfszahlungen an Ruanda eingestellt, da britische Beobachter herausfanden, dass Präsident Paul Kagame scheinbar (!) die inoffizielle Miliz „M23“  für Kämpfe an der Grenze zum Kongo mit Waffen ausgestattet hat.

Durch die historische Grenzziehung der Kolonialmächte 1884 auf der Afrika Konferenz bedingt, leben in der Region nahe des Kivu Sees viele Kongolesen, die eigentlich Ruander sind. Die dort in der dritten Generation lebenden ursprünglich ruandischen Kongolesen werden immer noch nicht von der Regierung als Kongolesen anerkannt und seit mehreren Jahrzehnten geächtet und verjagt. Am 23.03. dieses Jahres gründete diese gepeinigte Minderheit die Miliz M23 um gegen die Kongolesischen Armee für ihre Anerkennung zukämpfen. Mittlerweile leben ca. 700.000 Flüchtlinge in Lagern in der Ruandischen Region von  Byumba. Da alle demokratischen Verhandlungen zwischen den beiden Ländern, bezüglich der Zuordnung dieser Menschen gescheitert sind, verfestigte sich der Verdacht der UN, dass Kagame an einer inoffiziellen militärischen Aktion gegen das Kongolesische Militär interessiert ist. Problematisch ist jedoch, dass es keinerlei Beweise für ein Interagieren Kagames gibt und die deutsche Regierung nur aufgrund von unbestätigten Annahmen ihre Subventionen in höhe von 60 Millionen Euro um 1/3 gekürzt hat, was immense Auswirkungen auf das Leben vieler Ruander haben wird.

Im Kongo wiederum halten sich immer noch viele Täter des Genozids von 1994 versteckt, was die gespannte Beziehung beider Länder zusätzlich verschärft.

 

Am Ende der Diskussion, um 09:00, war allen klar, dass wir den Bus zwar verpasst hatten, doch war für uns der Wert einer solch seltenen innenpolitischen Diskussion höher als die pünktliche Ankunft in ISANO. Diskussionen wie diese bedürfen viel Vertrauen. Ruander sind generell äußerst vorsichtig wenn es um politische Themen geht. Konfliktherde innerhalb des Landes werden oft komplett verschwiegen. Die Teilnahme an dieser Diskussion ließ uns erkennen, dass sich mittlerweile eine sehr tiefe Freundschaft zu unseren ruandischen Ansprechpartnern entwickelt hat.

 

Mit 3 Stunden Verspätung kamen wir gegen 13:00 Uhr in ISANO an, wo wir erst einmal feststellen mussten, dass wir keinen Zugang zu unserem hier untergebrachten Gepäck haben würden und die Freude auf eine Dusche und frische Kleidung schnell verblasste.

Wieder einmal durften wir weitere 3 Stunden warten. Den Rest des Tages kosteten wir die Vorteile der Zivilisation aus, gönnten uns fließendes Wasser, nutzten die Waschmaschine und aßen in einem Restaurant in der Stadt.

Nach einer sehr anstrengenden Woche in Kiruhura freuen wir uns jetzt auf terminreiche Tage in Kigali.

 

Bis die Tage,

Euer Lappel Team

 

 

 

 

 

9.8.12 19:47, kommentieren

Aufgrund eines flächendeckenden Ausfalls des Internets in Kigali letzte Woche, hier nun mit einer Woche Verspätung der Blogeintrag vom 29.07.:

 

Die ersten fünf Tage sind rum!

 

Am Freitag haben wir das Waisenhaus CPAJ besucht. Wie gewohnt wurden wir herzlich von den Kindern und den Leitern empfangen.

CPAJ ist ein Waisenhaus der presbyterianischen Kirche, das seit über 10 Jahren Straßenkinder und Waisen aufnimmt und sich um ihr Wohlergehen kümmert. Über 50 Kinder im Alter von 4 bis 17 Jahren finden dort eine Unterkunft und etwas zu Essen. Darüber hinaus finanziert die Kirche den Kindern die Schulgebühren und ermöglicht ihnen somit eine Schulausbildung.

Zur Begrüßung brachten wir Bananen vom nahegelegenen Markt mit. Nach der kurzen Stärkung waren wir fit, Basketball und Fußball mit den Kindern und Jugendlichen zu spielen. Das hat sowohl den Kindern, als auch uns viel Spaß gemacht. 

 

Am Samstag haben wir uns mit Pasteur Emmanuel Muhozi getroffen. Er ist unser Ansprechpartner bzgl. des Baus der Krankenstation im Ort Kiruhura. Letztes Jahr arbeitete Emmanuel noch als Pastor vor Ort. Seit 2 Monaten kümmert er sich in Kigali um ein Kooperationsprogramm muslimischer und christlicher Zusammenarbeit. Sein Nachfolger Gilbert Uwawe wird uns für eine Woche beherbergen. Emmanuel ist jedoch immer noch Hauptverantwortlicher für die Region und unterstützt den angehenden Pfarrer Gilbert in allen Aktivitäten.

Nach einem Jahr Emailkontakt zu Emmanuel war ein persönliches Treffen von großer Bedeutung. In einem 3-stündigen Gespräch wurde er auf den neuesten Stand aller aktuellen Entwicklungen bzgl. des Bauvorhabens gebracht. Sehr beeindruckt war er vor allem von den neuen Bauplänen, die wir dank der freundlichen Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Joanna Skatulla aus Georgsmarienhütte präsentieren konnten.

Unter anderem stehen in den nächsten Tagen, die wir in Kiruhura verbringen werden, ein Treffen mit den lokalen Politikern sowie die Besichtigung mehrerer Krankenstationen im Umland an.

Während des Treffens diskutierten wir wichtige organisatorische Aspekte wie die Buchführung, Rechnungsstellung und Akquise von Bauunternehmern. Erfreulicherweise konnte uns Emmanuel hier schon einige Kontakte nennen mit denen er schon in Verhandlungen steht.

Durch das hohe Engagement von Emmanuel ist es gelungen, durch das Einbeziehen von lokalen Arbeitern und Ressourcen, die Kosten der Produktion der Ziegelsteine um mehr als 50% zu senken. Dadurch können wir auch die Menschen vor Ort einbeziehen und mit und von ihnen lernen.

 

Nach diesem sehr ergiebigen Treffen wurden wir von Emmanuel eingeladen, mit ihm und seiner Frau die „Ruanda EXPO 2012“ zu besuchen. Diese Ausstellung aller lokalen Produzenten, verbunden mit kulturellem Programm gehört zu einem der Höhepunkte des Jahres in Kigali.

Mehrere tausend Menschen versammeln sich auf dem örtlichen Messegelände. Flanieren, tanzen, verhandeln – man merkt den Menschen an, sie sind stolz auf ihr Land. Typisch afrikanisch ist der mit lauter Musik hinterlegte Wettkampf der Aussteller um die Aufmerksamkeit der Besucher.

Beim traditionellen Bruchette (Ziegenfleischspieße mit Kartoffeln) war eine Unterhaltung nur durch Anschreien möglich.

Verlassen haben wir die Expo mit einigem Infomaterial und Angeboten von verschiedenen Produzenten von Dächern, Wasserfiltern und anderem Baumaterial.

 

Mit lauter Musik ging es gen Abend dann weiter. Unser guter Freund Albert, der Schwager von Pascal Bataringaya, Co-Trainer der ruandischen Basketball-Junioren-Nationalmannschaft, lud uns ein, ihn und die Mannschaft auf das finale Konzert des ruandischen „Superstars“ zu begleiten. Special Guest des Abends war Jason Derulo, der in einer knappen Stunde seine Welthits zum Besten gab. Hunderte Menschen tanzten und sangen zusammen, wir mitten drin.

 

Den gestrigen Sonntag nutzten wir, um die letzten Vorbereitungen für Kiruhura zu treffen. Uns erwartet ein Dorf, das nur mit Moto-Taxis oder Pick-ups zu erreichen ist. Vor Ort gibt es keinen Supermarkt oder sonst die Möglichkeit, einzukaufen. Die Menschen ernähren sich von dem, was sie auf den Feldern rund um ihre Häuser anbauen. Somit deckten wir uns noch mit Brot und Toilettenpapier ein.

 

Unser guter Freund Jean Paul, der von uns seine Ausbildung als Elektriker und Maler finanziert bekam, begleitet uns heute. Er wird uns helfen, die Dinge vor Ort zu besichtigen und später für uns die Installation der Elektrik in der Krankenstation zu übernehmen. Er ist unser Experte dafür und wir sind dankbar, ihn in unserem Team zu haben.

 

Wir freuen uns sehr auf das Dorf, darauf, die Menschen wieder zu sehen und unsere Pläne vor Ort abzugleichen. Besonders Hanna und Tabea freuen sich, die Menschen und das Dorf kennenzulernen. Uns begleiten Pastor Pascal und Emmanuel und Uzzier, der Bauingenieur der EPR. Sie werden uns helfen, unsere Ideen umzusetzen und die Pläne vor Ort zu verwirklichen. Wir werden das Gelände ausmessen und unsere Vorhaben mit den Einheimischen umzusetzen.

Indamutso,

euer L’appel- Team

4 Kommentare 5.8.12 18:00, kommentieren

Wir sind da!

Die ersten Schritte auf afrikanischem Boden. Sobald man den Flughafen Kigali verlässt strömt einem der Duft roter Erde und der monotone Lärm alter Toyota Pick Ups und Motobikes entgegen. Obwohl mehrere tausend Kilometer überwunden sind, fühlen wir uns hier sofort wieder heimisch.

Wir erreichen unsere Unterkunft in Kigali. Die großen blauen Tore unserer Basis, des Bungalow Parks "ISANO" öffnen sich mit dem gleichen rostigen Geräusch wie in den letzten Jahren. Auch die Herzlichkeit der Menschen hat sich nicht im Geringsten verändert. Jedem der uns aus den letzten Jahren her kennt, steht die ehrliche Freude über unsere Ankunft sofort ins Gesicht geschrieben.

Die Fahrt mit den Motorradtaxis in die City ist das erste Erlebnis für Hanna und Tabea, die in diesem Jahr zum ersten Mal in Ruanda sind. Während sich die Motorräder die Hügel Kigalis hochkämpfen und die Sonne hinter den Wellblechdächern verschwindet, macht sich bei uns allen ein unbeschreibliches Gefühl der Glückseligkeit breit. Für umgerechnet 70 Cent kommen wir sicher und mit einem Lächeln im Gesicht inmitten von Hochhäusern an.

In einem dieser Hochhäuser sitzen wir nun, im SIMBA Cafe, und schreiben den ersten Eintrag unseres Blogs.

Heute Nachmittag haben wir uns mit unserem guten Freund Pascal Bataringaya, dem Vize-Präsidenten der Presbyterianischen Kirche in Ruanda getroffen. Er ist unser Hauptansprechpartner für die Projektkoordination hier vor Ort und wird uns bei unseren Terminen unterstützen. In den nächsten Wochen wollen wir uns mit der Gesundheitsministerin und dem Bildungsminister des Landes treffen. Zusammen mit Ruandischen Bauunternehmern und Handwerkern entwickeln wir unsere neu erstellten Baupläne und besichtigen Krankenstationen im Umland. Worüber wir uns jedoch am meisten freuen ist, dass wir am Montag endlich nach Kiruhura fahren, dem Dorf indem wir schon letztes Jahr mehrere Wochen verbracht haben und wo die Krankenstation entstehen soll. Dort werden wir all unsere Freunde wiedersehen und mit ihnen zusammen unser Projekt vorantreiben. Wir haben viel vor. Es kann losgehen!

Eure
Hanna, Tabea, Mirka, Jules und Christoph

7 Kommentare 27.7.12 10:16, kommentieren