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L'appel goes Busch- die Woche in Kiruhura

Zunaechst bitten wir um Entschuldigung fuer die Unregelmaessigkeit unserer Eintraege. Aufgrund von Unwettern und technischen Problemen ist die Internetsituation in diesem Jahr miserabel. 

Wir sind zurück in Kigali. Hinter uns liegen spannende und intensive Tage. Am Montag letzter Woche machten wir uns auf den Weg nach Kiruhura. Das Dorf im Norden Ruandas, in dem die Krankenstation entstehen wird. Uns begleiteten Pastor Pascal, Vizepräsident der EPR, Pastor Emmanuel, der bis vor zwei Monaten Pfarrer im Dorf war, Uzziel, der Baubeauftragte der EPR und unser ruandische Freund Jean Paul. Ca 2 ½ Stunden fuhren wir durch die Täler, die von Reisfeldern, Kaffeefeldern und Teeplantagen gesäumt sind. Je weiter wir in den Norden kamen, desto höher wurden die Hügel. Von der großen asphaltierten Straße ging es über holprige Sandstraßen im Slalom um die Schlaglöcher. Wir bewaffneten uns bereits mit bunten Luftballons für die Kinder. Die Kinder und Frauen am Wegesrand winkten uns zu, einige Kinder begannen den Autos laut kreischend hinterher zu rennen. „Muzungu!“, „Muzungu!“… (=weißer Mann)

Was uns danach erwartete, wird für uns immer unvergesslich bleiben: Von der Kirche rannten uns die Kinder in Scharen entgegen, umringten die Autos. Im Nu wurden unsere Hände von kleinen schwarzen Fingerchen gepackt. Die Frauen des Dorfes tanzten zu den dumpfen Rhythmen Afrikanischer Trommeln.

Da es schon dunkelte,  gingen wir zu allererst die Baupläne durch, schauten das zukünftige Bauland an und besprachen nochmals unser Vorhaben.

Jeder Schritt- innerhalb einer Traube fröhlicher und lachender Kinder. Anschließend wurden wir im Haus des Dorfpfarrers Gilbert Uwawe warmherzig empfangen. Das Essen stand dampfend auf dem Tisch, die einzige Glühbirne im Wohnraum leuchtete grell, nebenbei das ständig schrille Pfeifen der überlasteten Solaranlagenbatterie. Diese wurde 2009 durch deutsche Spenden finanziert und  im Januar 2010 von Einheimischen installiert.

 

"Rabbits for Happiness" & "Kleideraktion"

Am Dienstagmorgen besuchten wir jene Familien, die im letzten Jahr durch die Errichtung von Hasenställen eine Erhöhung der Lebensqualität erfuhren.

Das Konzept ging auf! Die Hasen leben mittlerweile in der dritten Generation. Selbstständig haben die Familien die Hasenställe zum Teil aus- oder umgebaut.

John, der Dorfälteste, bekam 2011 ebenfalls einen Hasenstall. Traurig berichtete er uns, dass seine Hasen vor einiger Zeit gestohlen worden seien. Dieses Ereignis zeigte uns wieder einmal, wie groß die Not und die Hilflosigkeit in dieser armen Region sind, wenn schlicht aus Hunger geklaut wird.

Nach Rücksprache mit dem Pastor entschieden wir uns für den Kauf von Huhn und Hahn als Substitut, die immerhin laut schreien würden, sollte jemand versuchen sie zu klauen.

Glücklich nahm er die zwei Tiere am Nachmittag entgegen.

Unseren Dorfrundgang beendeten wir in der Schule. Wenige Tage zuvor begannen hier die Ferien. Trotzdem nahm sich der Direktor der Schule Zeit und zeigte uns stolz die neue Bibliothek, die jüngst von der Caritas gestellt wurde.

Nach einer Stärkung am Mittag gingen wir dazu über, das Baugrundstück genau zu vermessen.

 

Wir brachten 3 Taschen voller Kleidung mit, die wir am Nachmittag an die ärmsten Kinder des Dorfes verteilten. Viele tragen lediglich zerrissene oder provisorische Fetzen am Körper. Jean de Dieu, die „rechte Hand“ von Pastor Gilbert, hatte zuvor eine Liste mit den Namen der bedürftigsten Kindern erstellt. Ein Beispiel für die ausgezeichnete Organisationsfähigkeit unseres neuen Ansprechpartners. Über 120 glückliche Augenpaare strahlten uns nach dieser erfolgreichen Kleideraktion an.

Danach folgte unser allabendliches Fußballspiel auf dem mit Schlaglöchern übersäten Bolzplatz hinter der Schule. Alle anderen Kinder malten mit Kreide, tanzten oder spielten Fangen mit Hanna, Tabea und Mirka.

 

Treffen mit der lokalen Regierung

Von Kinderrufen wurden wir auch am Mittwochmorgen geweckt. Zusammen mit Pastor Gilbert trafen wir den Vorsitzenden der lokalen Regierung. Er wusste bereits von unserem Vorhaben und sicherte uns Hilfe zu. Am 16./17. August können wir somit schon mit tatkräftiger Unterstützung der Einheimischen, beginnen den Baugrund zu ebnen. Für sie wurde von der Sektorverwaltung extra ein lokaler Feiertag eingerichtet, um den Tag gemeinsam produktiv nutzen zu koennen. Bisher liegt das Gelände auf mehreren unebenen Terrassen, die u.a. als Maisfelder genutzt wurden. Der Grundstein wird gelegt!

Anschließend fuhren wir nach Mulindi, um die dortige Krankenstation zu besuchen. Der Manager Jean-Marie verschwand hinter unseren DinA1-Bauplänen und berichtete anschließend selbst von Verhandlungen der letzten Monate mit den Verantwortlichen des Districts (eine Instanz über dem Sektor). Die Begehung gab einen guten Einblick in die Strukturen der Krankenstation und Jean- Marie konnte uns einige hilfreiche Informationen liefern. Auch mit seiner Unterstützung können wir in Zukunft rechnen. Zu Fuß über die Hügel und durch die Teefelder machten wir uns in der Abendsonne auf den Heimweg.

 

Am nächsten Morgen ging es mit einer Wanderung, in Begleitung von Gilbert, zur Krankenstation in Rushaki weiter. Diese katholische Einrichtung existiert schon seit über 30 Jahren und beeindruckte uns mit ihrer gut ausgestatteten und durchdachten Anlage. Wir nahmen nochmals einige gute Anregungen mit.


Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns schweren Herzens und machten uns auf den Weg Richtung Byumba, wohin uns Emmanuel zu sich und seiner Familie eingeladen hatte. Mit acht voll gepackten Motos ging es wieder durch die atemberaubende afrikanische Landschaft, zur Hauptstraße. Hier warteten wir getreu dem Motto T.I.A. -This is Africa - 2 ½ Stunden bei gefühlten 40 Grad auf einen überfüllten klapprigen Bus. Unser Gepäck wurde mit einem einzelnen spröden Seil gekonnt auf dem Dach befestigt.

 

Culture Clash und Geschichtsstunde

Bei Pastor Emmanuel angekommen, begrüßten uns stürmisch seine zwei Kinder, Samo und Pistis, die uns aus den vorigen Jahren schon kannten. Seine Frau Jane zauberte uns trotz einer harten Arbeitswoche, als Assistentin  eines lokalen Politikers, ein deliziöses ruandisches Abendessen. Geschafft von der anstrengenden und aufregenden Woche gingen nach einem geselligen Zusammensitzen ausnahmsweise früh zu Bett.

 

Nach einem kurzen Besuch auf dem sehr belebten Markt in Byumba, wo wir die einzigen „Muzungus“ waren und dem entsprechend wieder auf Schritt und Tritt ausgiebig beobachtet wurden, begaben wir uns zum vermeidlichen „good playground“ um dort mit einheischen Jugendlichen ein weiteres Mal Fußball zu spielen. Ein unglaubliches Spektakel ereignete sich zwischen vielen schwarzen nackten Füßen. Das erste Schlagloch wurde Tabea zum Verhängnis. Sie freut sich seitdem über einen glatten Durchriss des vorderen Außenbandes am rechten Fuß. Aus Solidarität beschloss Christoph es ihr gleichzutun. Auch er humpelt seit dem. Emmanuel konnte es ebenfalls nicht lassen sich einen netten kleinen Muskelfaseriss zuzuziehen. Mit dem humpelnden Trio ging es anschließend zurück zu Emmanuel. Am Abend waren wir in der Nachbarschaft bei Jean-Marie, dem Manager der Krankenstation in Mulindi, eingeladen. Wie viele Ruander war er sehr stark an den Lebensumständen in Europa interessiert. Es kam zu einem hochinteressanten kulturellen Austausch. Wieder einmal wurde klar, wie weit die vorurteilsbehafteten Vorstellungen der jeweils anderen Welt auseinander klaffen.


Wie in den letzten zwei Woche, war es uns wieder einmal nicht gegönnt auszuschlafen. Um 06:26 Uhr klingelte der Wecker und wir wurden aus unseren tiefen ruandischen Träumen gerissen.

Es war geplant um 08:15 Uhr den Bus in Richtung Kigali zu nehmen, da Tabea und Hanna einen Besuch des Memorials in angedacht hatten. Aufgrund der sich aktuell veränderten politischen Beziehung zwischen der UN und ruandischen Regierung, ergab sich jedoch zunächst eine sehr aufschlussreiche Diskussion, bezüglich des ewig schwelenden Konfliktes zwischen der  Demokratischen Republik Kongo und Ruanda.

Jüngst hat die Regierung der Bundesrepublik die Hilfszahlungen an Ruanda eingestellt, da britische Beobachter herausfanden, dass Präsident Paul Kagame scheinbar (!) die inoffizielle Miliz „M23“  für Kämpfe an der Grenze zum Kongo mit Waffen ausgestattet hat.

Durch die historische Grenzziehung der Kolonialmächte 1884 auf der Afrika Konferenz bedingt, leben in der Region nahe des Kivu Sees viele Kongolesen, die eigentlich Ruander sind. Die dort in der dritten Generation lebenden ursprünglich ruandischen Kongolesen werden immer noch nicht von der Regierung als Kongolesen anerkannt und seit mehreren Jahrzehnten geächtet und verjagt. Am 23.03. dieses Jahres gründete diese gepeinigte Minderheit die Miliz M23 um gegen die Kongolesischen Armee für ihre Anerkennung zukämpfen. Mittlerweile leben ca. 700.000 Flüchtlinge in Lagern in der Ruandischen Region von  Byumba. Da alle demokratischen Verhandlungen zwischen den beiden Ländern, bezüglich der Zuordnung dieser Menschen gescheitert sind, verfestigte sich der Verdacht der UN, dass Kagame an einer inoffiziellen militärischen Aktion gegen das Kongolesische Militär interessiert ist. Problematisch ist jedoch, dass es keinerlei Beweise für ein Interagieren Kagames gibt und die deutsche Regierung nur aufgrund von unbestätigten Annahmen ihre Subventionen in höhe von 60 Millionen Euro um 1/3 gekürzt hat, was immense Auswirkungen auf das Leben vieler Ruander haben wird.

Im Kongo wiederum halten sich immer noch viele Täter des Genozids von 1994 versteckt, was die gespannte Beziehung beider Länder zusätzlich verschärft.

 

Am Ende der Diskussion, um 09:00, war allen klar, dass wir den Bus zwar verpasst hatten, doch war für uns der Wert einer solch seltenen innenpolitischen Diskussion höher als die pünktliche Ankunft in ISANO. Diskussionen wie diese bedürfen viel Vertrauen. Ruander sind generell äußerst vorsichtig wenn es um politische Themen geht. Konfliktherde innerhalb des Landes werden oft komplett verschwiegen. Die Teilnahme an dieser Diskussion ließ uns erkennen, dass sich mittlerweile eine sehr tiefe Freundschaft zu unseren ruandischen Ansprechpartnern entwickelt hat.

 

Mit 3 Stunden Verspätung kamen wir gegen 13:00 Uhr in ISANO an, wo wir erst einmal feststellen mussten, dass wir keinen Zugang zu unserem hier untergebrachten Gepäck haben würden und die Freude auf eine Dusche und frische Kleidung schnell verblasste.

Wieder einmal durften wir weitere 3 Stunden warten. Den Rest des Tages kosteten wir die Vorteile der Zivilisation aus, gönnten uns fließendes Wasser, nutzten die Waschmaschine und aßen in einem Restaurant in der Stadt.

Nach einer sehr anstrengenden Woche in Kiruhura freuen wir uns jetzt auf terminreiche Tage in Kigali.

 

Bis die Tage,

Euer Lappel Team

 

 

 

 

 

9.8.12 19:47

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